Der CDU-Landesvorsitzende Manuel Hagel sparte sich bei der Vorstellung der CDU-Kabinettsmitglieder die Überraschung auf: Er stellte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut zuerst vor, sie führt das Ministerium schon seit zehn Jahren. Der künftige Kultusminister Andreas Jung musste noch etwas warten, bis er in der Stadthalle von Korntal-Münchingen auf die Bühne durfte. Den Wechsel des stellvertretenden Bundesvorsitzenden und profilierten Umwelt- und Klimaschutzpolitikers von Berlin nach Stuttgart hatte kaum jemand in der CDU erwartet. Hagel hatte, seitdem in den Sondierungen beschlossen worden war, dass die CDU das Schulressort übernimmt, zunächst Schwierigkeiten, einen geeigneten Minister zu finden. Galt das Schulministerium früher als Pflichtressort für bürgerliche Parteien, gilt es heute als Problem-Ministerium. Für Jungs Berufung gibt es unterschiedliche Deutungen: Mit dem Juristen Jung, der am Tag der Regierungsbildung 51 Jahre wird, solle ein liberaler CDU-Politiker und Schwarz-Grün-Befürworter als Brückenbauer im Kabinett sitzen. Andere sagen, die schwierige Situation der Berliner Regierung, das Desinteresse am Klimathema in der CDU sowie die größere Nähe Jungs zu seinen schulpflichtigen Kindern, die am Bodensee leben, hätten ihn zusätzlich motiviert, die Bundespolitik zu verlassen. In der CDU waren einige auch überrascht, dass Hagel sich einen liberalen Politiker ins Kabinett holt, der in den nächsten fünf Jahren hin und wieder als möglicher Bewerber für die Spitzenkandidatur genannt werden dürfte. Hagels Kritiker halten es für erforderlich, dass es in der Partei zu ihm auch personelle Alternativen gibt. Jung tritt solchen Aussagen aber entgegen: „Ich habe es politisch entschieden, Kultusminister zu werden. Die Unterstützung für Manuel Hagel ist die Grundlage der Zusammenarbeit und meiner Berufung“, sagte Jung der F.A.Z. Die künftige Regierung dürfe keine Konfliktkoalition werden, das sei auch Hagels Wunsch. „Kretschmanns Politik des Gehörtwerdens macht jetzt Schule“, sagte Jung zu seinem Amtsverständnis. Unterstützt wird Jung im Ministerium vom früheren Parlamentarischen Geschäftsführer Andreas Deuschle, der nun Staatssekretär wird. Polizistensohn Hagel wird Innenminister Für die CDU im Südwesten ist die Verteilung von Regierungsämtern nach dem Proporz der vier Bezirksverbände Nordwürttemberg, Nordbaden, Südbaden und Württemberg-Hohenzollern) ausgesprochen wichtig. Der Berufung Jungs gingen zwei Entscheidungen Hagels voraus: Er selbst entschied sich dafür, Innenminister zu werden. Der 38 Jahre alte Politiker ist Sohn eines Polizisten, aber kein Jurist. Mit dem Ministerium – aufgewertet mit den Zuständigkeiten für Europa und Digitalisierung – will Hagel die angestrebte Augenhöhe zum künftigen Ministerpräsidenten Cem Özdemir erreichen. Zum Amtschef macht Hagel den erfahrenen Juristen Elmar Steinbacher, er wird Ministerialdirektor und beamteter Staatssekretär. Unterstützt wird er von dem bisherigen Ministerialdirektor Rainer Moser. Neu hinzu kommt die Staatssekretärin Cornelia von Loga aus Baden-Baden. Die Landtagsabgeordnete kümmert sich um das Thema Europa, das aus dem grün geführten Staatsministerium ins Innenministerium verlagert wird. Da Hagel neben den Kommunen auch die Themen Digitalisierung und Staatsmodernisierung bearbeiten will, holt er die Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer als Digitalisierungsbeauftragte in das Ministerium. Kemmer vertrat bisher den Bundestagswahlkreis Ulm. Sie gilt als enge Vertraute Hagels. Wichtig war für den CDU-Landesvorsitzenden auch die Besetzung des Justizressorts. Es wird künftig von dem früheren Bundestagsabgeordneten Moritz Oppelt geführt, er verfehlte durch die Wahlkreiskappung bei der Bundestagswahl 2025 den Einzug in den Bundestag. Oppelt kommt aus dem Rhein-Neckar-Kreis, ist Jurist, Betriebswirt und war Steuerfahnder. Für die Landtagswahl hatte Hagel ihm die Verantwortung für das Verfassen des Wahlprogramms übertragen – auch Oppelt gehört zum engen politischen Umfeld Hagels. Das Justizministerium ist auch für Migration zuständig, hierum kümmert sich weiterhin der Staatssekretär und frühere Polizist Siegfried Lorek. Er hat als einziger CDU-Staatssekretär Stimmrecht im Kabinett. Ein Heimatministerium für den Südwesten Die frühere Ministerin für Justiz und Migration, die aus Südbaden stammende Marion Gentges, wird künftig das Landwirtschaftsministerium führen, es wird nun auch Heimat-Ministerium heißen. Gentges musste für Oppelt weichen und soll eine geringe Neigung gehabt haben, Kultusministerin zu werden. Sie wird unterstützt von der Staatssekretärin Sarah Schweizer, die aus einer Landwirtsfamilie stammt. Das Verkehrsministerium soll die bisherige Bauministerin Nicole Razavi führen, sie wird unterstützt vom Umweltpolitiker und baldigen Staatssekretär Raimund Haser aus Oberschwaben. Haser und Schweizer gelten als selbstbewusste und unabhängige Abgeordnete. Mit ihrer Berufung bindet Hagel zwei potentielle Kritiker ein. Der Abgeordnete Thomas Dörflinger aus Biberach wird Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Zunächst kommissarische Landesgeneralsekretärin wird die Europaabgeordnete Andrea Wechsler, weil Tobias Vogt nun Fraktionsvorsitzender ist.
