FAZ 05.10.2026
08:44 Uhr

Brisantes Fußballduell: „Ich bin überglücklich, dass es vorbei ist“


Gesenkte Köpfe, keine Handshakes, der Vorwurf einer Spuck-Attacke: Die Fußballspiele zwischen Israel und Irland geraten zur Nebensache. Haben die beiden Partien ein Nachspiel?

Brisantes Fußballduell: „Ich bin überglücklich, dass es vorbei ist“

Als der „Albtraum“ endlich beendet war, musste Heimir Hallgrimsson erst mal tief durchatmen. „Ich bin überglücklich, dass das nun vorbei ist“, sagte der Trainer der irischen Nationalmannschaft in der nahezu menschenleeren Arena im serbischen Backa Topola mit ruhiger Stimme. Diese Länderspielpause, diese von Konflikten und Protesten geprägten Duelle mit Israel hätten „uns allen viel abverlangt“, ergänzte der Isländer, der sogleich klarstellte: Noch mal braucht er das nicht. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) müsse nun „eingreifen und etwas unternehmen“, forderte Hallgrimsson nach dem 1:1 (1:0) in der Nations League gegen Israel im irischen Fernsehsender RTE. Die beiden Nationen sollten nicht mehr gegeneinander spielen, betonte der 59-Jährige, „aber das ist nicht unsere Entscheidung, sondern die der UEFA“. Er wünsche jedenfalls „keiner Nationalmannschaft, dass sie das durchmachen muss, was wir in den vergangenen zwei Wochen durchmachen mussten“. Die Länderspielphase der Iren war ein „Albtraum“ Als „Albtraum“ betitelte die Irish Times die Länderspielphase der Iren. Hallgrimsson selbst hatte den Konflikt mit Israel durch Aussagen bei der Nominierung des Kaders angeheizt, am Sonntag sagte er abermals, er hätte diese besser unterlassen. So aber wurden beide Spiele von hitzigen politischen Debatten begleitet. Nach den Spannungen rund um das erste Aufeinandertreffen eine Woche zuvor, einem 3:0-Sieg der Iren auf neutralem Boden im ungarischen Debrecen, war auch am Sonntag, diesmal in Serbien, der Sport schnell in den Hintergrund gerückt. Wie schon im Hinspiel neigten die Iren während der israelischen Hymne ihren Kopf zu Boden, verzichteten auf das Abklatschen und spielten mit schwarzen Armbinden – im Gedenken an die Opfer des Konflikts im Gazastreifen. Gleichzeitig lief diesmal auch die israelische Mannschaft mit Trauerflor auf; sie gedachte dabei der Opfer des Terrorangriffs der Hamas am 7. Oktober 2023. Spuckte ein israelischer Spieler auf den Fitnesstrainer der Iren? Auch auf dem Feld wurden die Spannungen dann mehr als deutlich. Zur Halbzeit kam es auf dem Platz zu einer Rudelbildung, laut irischen Medien soll der Fitnesstrainer der Iren anschließend behauptet haben, dabei von einem israelischen Spieler angespuckt worden zu sein. Hallgrimsson beteuerte, die Szene nicht gesehen zu haben, und verwies nach dem Spiel auf ein mögliches Disziplinarverfahren durch die UEFA. Ob der Verband den Vorfall untersuchen wird, ist offen. Belege oder Videoaufnahmen davon waren zunächst nicht bekannt. Auf Handyvideos aus dem Stadion in Serbien, wo die Partie ohne Zuschauer ausgetragen wurde, ist lediglich zu sehen, wie die Spieler und Betreuer etwas unruhig werden und eine Stimme ruft: „Seid clever.“ Seine Mannschaft brauche nun jedenfalls erst einmal „etwas Zeit, um nachzudenken und weiterzumachen“, sagte Hallgrimsson. „Es ist auch der beste Zeitpunkt, um seine Feinde zu erkennen. Wenn man am Boden liegt und die Leute einen treten. Da sieht man schnell, wer versucht hat zu treten“, sagte der Trainer Irlands. Sein Gegenüber, Israels Nationaltrainer Ran Ben-Shimon, lobte seine Mannschaft derweil für die gelungene Reaktion nach dem Hinspiel. „Manchmal verlieren wir uns in diesen Spielen“, sagte er: „Aber für uns ist das eine lange Geschichte.“ Die Partie zwischen den beiden Nationalmannschaften war politisch brisant, weil es in Irland große Unterstützung für Palästina gibt und Israel wegen des Gaza-Krieges massiv kritisiert wird. Die irischen Spieler waren aus der Heimat dazu aufgefordert worden, die Länderspiele zu boykottieren. Ersatztorwart Gavin Bazuno verzichtete auf eine Teilnahme. Ob sie in dieser in naher Zukunft noch mal auf Irland treffen, ist fraglich. Irland, das seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen im Oktober 2023 zu den europäischen Ländern gehört, die besonders deutlich ihre Unterstützung für die Palästinenser zum Ausdruck gebracht haben, hatte bereits in der Vergangenheit einen Antrag gestellt, wonach es keine direkten Duelle gegen Israel geben soll. Die UEFA lehnte diesen aber ab.