Der angekündigte Rücktritt Christian Schmidts vom Amt des Hohen Repräsentanten der Staatengemeinschaft in Bosnien-Hercegovina ist viel mehr als nur eine Personalie in einer Region Europas, der Politik und Öffentlichkeit in Deutschland in der Regel nur noch wenig Beachtung schenken. Die Vorgeschichte dieses von den USA erzwungenen Schritts illustriert, wie wenig europäische Interessen der amerikanischen Führung unter Donald Trump noch gelten. Und die möglichen Folgen werfen ein Licht auf die Gefahren, die für die Stabilität in Europa noch immer vom Balkan ausgehen. In den vergangenen drei Jahrzehnten standen Europäer und USA auf dem Balkan auf derselben Seite, sieht man von einigen Episoden während Trumps erster Amtszeit ab. Zwar haben die Vereinigten Staaten ihr Engagement seit dem Ende der blutigen Kriege der Neunzigerjahre stark reduziert. Politisch jedoch haben sie bis vor Kurzem gemeinsam mit der EU die Friedensordnung auf dem Balkan garantiert, die einst maßgeblich unter amerikanischer Vermittlung entstanden ist. Washington an der Seite von Putins Verbündetem Doch nun stellen sich die USA auf die Seite des größten Störenfriedes in der Region, des bosnischen Serbenführers Milorad Dodik. Der zündelt seit Jahren mit separatistischen Forderungen und nationalistischen Losungen der Art, die den Balkan schon einmal in die Katastrophe geführt haben – und er ist Wladimir Putins bester Verbündeter in der Region. Christian Schmidt ist das Opfer dieses Seitenwechsels Washingtons, bei dem womöglich wirtschaftliche Interessen in Trumps Umgebung eine Rolle gespielt haben. Schmidt hat versucht, die von Dodik ausgehenden Gefahren einzudämmen (ob er dabei geschickt vorgegangen ist, steht auf einem anderen Blatt), während die USA diesen politisch aufgewertet und ihre Sanktionen gegen ihn aufgehoben haben. In der Sache läuft das auf ein informelles Zusammenwirken Amerikas und Russlands gegen die Stabilität in einer ganz von der EU umschlossenen Region hinaus. Putin wird es mit großem Wohlgefallen sehen.
