Wird es gelingen, über einen mit Krediten finanzierten Investitionsschub ein produktiveres, reicheres Land zu gestalten? Oder ganz konkret: Wie viel höher wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt in zwölf Jahren sein, wenn die 500 Milliarden Euro Sonderschulden ausgegeben sind? Die Antworten werden von großer Bedeutung für die Erfolgsbilanz der schwarz-roten Koalition sein. Weil eine spätere Rückschau niemandem hilft, der heute verbessern will, was schlecht läuft, gibt es den Monitoringbericht der Bundesregierung zu dem „Sondervermögen“ für Investitionen in die Infrastruktur und die Klimaneutralität. Das ist an und für sich gut. Die Kennzahl zeigt eine teilweise Zielerreichung an Weniger gut sind die Zahlen, auf die der geneigte Leser dort stößt. So heißt es im Bericht vielsagend: Die durchschnittliche Fortschritts- und Wirkungskennzahl für das Sondervermögen zeigt mit 54 Prozent eine teilweise Zielerreichung an. Für Häme ist es gleichwohl zu früh. Das erste Jahr war schließlich ein besonderes. Auf die Bundestagswahl folgte eine Phase des Stillstands. Erst musste eine Regierung gebildet, dann ein Haushalt auf den Weg gebracht werden. Auch müssen sich Abläufe einspielen. Das lässt später bessere Zahlen erwarten. Trotzdem ist nicht alles gut. Ertüchtigte Brücken, erneuerte Schienenwege, eine digitalisierte Infrastruktur sind wichtige Voraussetzungen für ein leistungsfähiges Land. Neue Sportplätze und neuer Wohnraum sind gut für das Lebensgefühl, mit Abstrichen auch Voraussetzung für ein starkes und mobiles Humankapital, wie es in der nüchternen Sprache der Ökonomen heißen könnte. Aber sind solche Posten wirklich entscheidend für das Wachstum im Land? Der Bericht liefert mehr als reine Abflussquoten. Er versucht, aufzuzeigen, wie aus einem „Input“ (eine konkrete Investition) erst ein „Output“ (etwa eine sanierte Brücke), dann ein „Outcome“ (weniger Fahrzeitverluste) und schließlich ein „Impact“ (Beitrag zum Wirtschaftswachstum) wird. Das ist besser als das alte Prinzip Viel-hilft-viel. Gleichwohl sollte man sich vor der Illusion hüten, dass es der Staat mit seinen Ausgaben allein richten kann. Ohne Reformen, die privaten Investoren Mut machen, läuft auch das beste Sondervermögen ins Leere.
