FAZ 10.05.2026
15:48 Uhr

Ausstellung in Hanau: Wie das Love-Family-Park-Festival entstand


Vor 30 Jahren fand der erste Love Family Park statt, damals in Hanau mit 800 Besuchern – heute kommen Zehntausende. Eine Ausstellung zeigt die Geschichte des Festivals.

Ausstellung in Hanau: Wie das Love-Family-Park-Festival entstand

Das Foto zeigt Sven Väth mit einer Brille, ein Glas dunkel, das andere klar. Der DJ und Musiker macht gerade das, wofür er berühmt geworden ist: Er bringt Menschen zum Tanzen. Das Besondere ist der Ort: nicht das Dorian Gray im Frankfurter Flughafen oder sein Wohnzimmer, das Omen. Die Aufnahme entstand am Rande Hanaus in einem Freizeitgelände zwischen Schwellenlager und vierspuriger Bundesstraße, vor 30 Jahren der Geburtsort des Love Family Parks, heute eines der dienstältesten Festivals für elektronische Tanzmusik. Dessen Geschichte wird derzeit in einem altehrwürdigen Saal im Schloss Philippsruhe nachgezeichnet, auf Bildschirmen vor historischen Holzvertäfelungen und unter einer prächtigen Kassettendecke. Für die Ausstellung hat sich das Hanauer Museum mit einer illustren Runde zusammengetan: dem Museum Of Modern Electronic Music (MOMEM), dem aktuellen Veranstalter Cosmopop und Torben Giese. Der heutige Leiter des Stadtmuseums Stuttgart und ehemalige Hanauer Stadthistoriker hatte schon die Eröffnungsausstellung des Momem kuratiert – vor allem aber ist Giese Begleiter des Love Family Parks von der ersten Stunde an. Techno neben der Reifenfabrik Diese erste Stunde schlug auf dem Dunlop-Freizeitgelände in Hanau, einem Idyll zwischen Fabriken und Lagern am Rande der Stadt. Tennisplätze, ein Freibad, dazu ein Gaststättenbau im Stil der Fünfziger. Als Schauplatz für ein Festival machte ihn der Gründer des Love Family Park, Fedi Choukair, aus. Hintergrund: Die Frankfurter Szene hatte zuvor den Love Park in einem alten Schwimmbad in Berlin besucht – und war begeistert: Techno am helllichten Tag statt als nächtlicher Rave. Das hatte es so noch nicht gegeben. Also machten sich die Frankfurter auf die Suche, so erzählt es MOMEM-Gründungsdirektor Alex Azary, bis schließlich Choukair kam: „Ich habe da was gefunden.“ Tatsächlich wurde das Areal 1996 zum Schauplatz des Love Parks in Hanau, aus rechtlichen Gründen ein Jahr später umbenannt zum Love Familiy Park. Damals kamen 800 Besucher, später sollten es bis zu 30.000 werden. Bis 2001 blieb das Festival neben der Reifenfabrik, dann zog es auf die Mainwiesen im Stadtteil Großauheim um und wuchs. Immer mit dabei Sven Väth, Garant für gute Musik und gutes Wetter. Während es in Frankfurt noch schüttete, so erzählt es Azary, brach während Väths Auftritt in Hanau die Sonne durch die Wolken. Aber vielleicht, so erzählen es Azary und Cosmopop-Chef Robin Ebinger, gab es noch einen anderen Grund für das Wetterglück der Macher: Choukair hatte einen Schamanen gefunden und angeheuert, mit einer Zeremonie für Sonnenschein während des Festivals zu sorgen. Das hat gut geklappt. Von Rave und Naturschutz Von 1998 bis 2013 blieben die Mainwiesen Schauplatz des Festivals, dessen Organisation Choukair 2007 an Cosmopop verkaufte, dann machte der Naturschutz dem Feiern ein Ende. Trotz aller Bemühungen sowohl der Veranstalter als auch der Stadt Hanau und der von Giese gegründeten Initiative „Save the Park“ genehmigte das Regierungspräsidium in Darmstadt das Festival am Main nicht mehr. Das Festival zog vom Osten des Rhein-Main-Gebiets in dessen Westen und wurde auf dem Messegelände in Mainz-Hechtsheim ausgerichtet, bis es 2017 an den Main zurückkehrte. Nicht in Hanau, sondern in Rüsselsheim wurde nun bis 2019 getanzt. Aber dann griffen auch dort die Naturschutzbehörden ein: „Keine glückliche Beziehung zu uns“, sagt Ebinger, dann folgte die Pandemie-Pause. Mittlerweile habe das Festival internationale Bekanntheit gewonnen, erzählen er und Azary: Jeder in der Szene kenne es. Heute wird in Frankfurt gefeiert und getanzt, und zwar seit 2023 im Rebstock-Park. Auch da unter strengen Auflagen zur Lautstärke und Besucherzahl, nur 10.000 Gäste sind erlaubt, deswegen wird der Love Family Park zur zweitägigen Veranstaltung. Die Geburtstagsauflage findet am 25. und 26. Juli statt, und um das Wetter muss man sich nicht sorgen: Sven Väth ist natürlich mit dabei. Das Datum bestimmt auch die Dauer der Ausstellung im Schloss Philippsruhe: Die Monitore, auf denen die Geschichte des Festivals gezeigt wird, gehören zum Equipment des Festivals – als Anzeigetafeln der Getränkekarten. Also ist „Keep the Vibe Alive – 30 Jahre Love Family Park“ dort bis zum 12. Juli zu sehen.