FAZ 05.06.2026
08:53 Uhr

Auktion in München: Zarte Bilder aus harten Zeiten


Mit einer Abstraktion von Joan Miró möchte das Auktionshaus Karl & Faber in München bis zu 2,5 Millionen Euro einspielen. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit einem früheren Spitzenlos von Max Beckmann.

Auktion in München: Zarte Bilder aus harten Zeiten

Der Star der kommenden Abendauktion bei Karl & Faber in München heißt Joan Miró. Sein schlicht mit „Peinture“ bezeichnetes Gemälde aus der Masonit-Serie liegt, taxiert auf zwei bis 2,5 Millionen Euro, mit weitem Abstand vor dem übrigen Angebot von 66 Losen moderner und zeitgenössischer Kunst, die das Unternehmen am 11. und 12. Juni versteigert. Im Sommer 1936, zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, zog Miró sich auf das väterliche Gut in Mont Roig zurück und malte innerhalb weniger Monate eine geschlossene Werkserie auf warmtonigen Masonit-Holzfaserplatten, die er nicht grundierte. In dem angebotenen Exemplar platzierte er klare Formen in Schwarz, Gelb und Rot auf dem Malgrund und verlieh ihnen durch die Verwendung von Öl- und Kaseinfarbe sowie Teer und Sand materielle Dichte. Kindheit in Worpswede Die zweithöchste Taxe des Abends gilt Auguste Renoirs „Femme nue allongée“ mit 600.000 bis 700.000 Euro. Um 1906 schuf er den liegenden Rückenakt, den der Pariser Kaufhauseigentümer und Sammler George Urion ihm direkt abkaufte. Als 1927 Teile von dessen Kollektion auktioniert wurden, griff Hatchik Sevadijan zu, ein angesehener Händler für Antiken und französische Malerei, er verleibte die Odaliske seiner Sammlung ein. Zur Provenienz von Max Liebermanns „Nutzgarten in Wannsee nach Südwest“ haben Recherchen keinen Hinweis auf verfolgungsbedingten Entzug erbracht. Zum Schutz vor Luftangriffen lagerte das Landesamt für Denkmalpflege München das von Sommerlicht erfüllte Gemälde von Birken und Obstbäumen hinter Staudenrabatten zwischen 1943 und 1946 aus. Anschließend wanderte es in den Central Collecting Point in München. Seither hat es mehrmals den Eigentümer gewechselt und ist nun auf 350.000 bis 450.000 Euro taxiert. Eine Stütze im Exil Mit dem Nachlass seiner Frau Paula Modersohn-Becker ging ihr Gemälde „Zwei Mädchen an einem Birkenstamm stehend“ an Otto Modersohn. Der gab das typische Motiv der jung Verstorbenen, deren 150. Geburtstag in diesem Jahr mit mehreren Ausstellungen gefeiert wird, an Philine Vogeler weiter, eine Schwägerin des Künstlers Heinrich Vogeler, die in der Künstlerkolonie Worpswede eine Galerie betrieb. Das vielfach ausgestellte Bild ist auf 300.000 bis 400.000 Euro taxiert. Einen zweiten Anlauf unternimmt Karl & Faber mit Max Beckmanns „Bildnis Rietje & Nelly Lütjens“ – der Frau und Tochter von Helmuth Lütjens, der die Amsterdamer Filiale der Galerie Paul Cassirer leitete. Die freundschaftlichen Gespräche in seinem Haus waren dem Ehepaar Beckmann eine wichtige Stütze in der Zeit des Exils. Mit einem Schätzpreis von 500.000 bis 700.000 Euro hat sich die Erwartung für das 1945 entstandene Gemälde fast halbiert im Vergleich zu seinem Auktionsauftritt im Sommer vor drei Jahren, als es als Toplos antrat und schon bei 760.000 Euro zugeschlagen wurde – zunächst unter Vorbehalt. Der Vorbehalt wurde anschließend aufgelöst und das Bild verkauft. Nun ist es, so Rupert Keim, geschäftsführender Gesellschafter von Karl & Faber auf Nachfrage gegenüber der F.A.Z., von dem damaligen Käufer wieder zur Auktion eingeliefert worden Säge, Hammer, Bohrer, Messer und Metermaß hängte Robert Filiou 1969 an einem Kreuz zusammen und forderte den Betrachter mit Aufschriften wie „Balance“ und „Meister“ auf, schöpferisch tätig zu werden, was ganz dem Ansatz der Fluxus-Bewegung entsprach, einen fließenden Übergang zwischen Kunst und Leben zu schaffen. Häufig ausgestellt, peilt die erstmals auf den Markt kommende Assemblage ein Ergebnis von 40.000 bis 50.000 Euro an. Weibliche Rollenklischees, etwa die Frau als „Strickliesel“, hinterfragt Rosemarie Trockel ironisch mit ihren berühmten, maschinell hergestellten Strickbildern. Das Exemplar von 1986 zeigt zwei runenartige Formen auf braunem Grund (50.000/70.000). „Forminifera“, nach den im Wasser lebenden Einzellern mit ihren vielkammerigen, perforierten Gehäusen, benannte Tony Cragg eine Arbeit, die den seltsamen Geschöpfen formale und materielle Anregungen verdankt: Gips ist ein Sediment, das teilweise aus Forminiferen besteht. Zwölf schneeweiße, unterschiedlich geformte Körper aus durchlöchertem sandgestrahltem Gips umfasst die Installation, die nach dreißig Jahren belgischen Privatbesitz verlässt (150.000/250.000).