Der A6 ist und bleibt das Herz von Audi. Im vergangenen Jahr erneuert, tritt er in der Oberen Mittelklasse in der sechsten Generation an. Antriebsseitig gibt es ihn in allen Spielarten, als Verbrenner mit Diesel- oder Benzinmotor, jeweils mildelektrisch unterstützt, und als Plug-in-Hybrid sowie als reines Elektroauto, wobei der A6 e-tron sechs Zentimeter kürzer ist als seine Geschwister. Nachdem im Oktober hier der elektrische A6 als Avant, also als Kombi, besprochen wurde, geht es nun um die klassische Limousine, gepaart mit einem klassischen Antrieb. Wer auf die Verbrennertechnik vertraut, hat neben dem gefahrenen Diesel-Basismodell mit zwei Liter Hubraum noch einen stärkeren Selbstzünder zur Wahl, mit sechs Zylindern, drei Liter Hubraum und 299 PS. Unter den Benzinern ist ein ähnliches Triebwerksduo im Angebot, zwei Plug-in-Hybride mit Vierzylinder machen das halbe Dutzend voll. Schmerzhafte 91.000 Euro Unser Testwagen war ein allradgetriebener TDI Quattro, der einen Einstandspreis von 62.050 Euro hat. Das ist ein Vierradaufschlag von 2750 Euro, der sich aber lohnen kann. Schlussendlich standen schmerzhafte 91.000 Euro für den Testwagen auf der Liste. Das Luftfahrwerk für 2150 Euro, die empfehlenswerte Allradlenkung für 1250, das Glasdach für 2350, Leichtmetallräder für 2840 und das Tech-Pro-Paket für 6720 Euro gehören zu den dicksten Posten. Warum eigentlich zur Limousine greifen? Vielleicht, um sich von der Masse der SUV und Kombi wie auch Schrägheckmodellen abzusetzen. Immerhin 15 Prozent der A6-Kunden entscheiden sich für den separaten Kofferraum. Es ergibt sich eine schönere Designlinie, außerdem fühlt sich das Gepäck im von außen blickdichten Gepäckabteil sicherer aufgehoben. Der Deckel schwingt nach dem Öffnen von allein auf, muss aber mit der Hand zugezogen werden. Eine kleine Enttäuschung ist das rechnerische Volumen von 452 Liter für ein Fünfmeter-Auto. Der Allradantrieb kostet Platz, ohne sind es 492 Liter. Wie heute üblich, lässt sich aber die Rückbank dreigeteilt umklappen. Die Laderaumlänge bis zur Rückseite der Vordersitze beträgt dann immerhin zwei Meter. Nicht übermäßig motorisiert Unter der Motorhaube schlägt ein Dieselherz. Es ist schade, dass der Antrieb so sehr in Verruf geraten ist, wir finden, zu Unrecht. Auch hier überzeugt er wieder mit seiner Effizienz, der Durchschnitt von 7,7 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer ist für ein großes und schweres Auto aller Ehren wert. Bleibt man bescheiden und bewegt sich mit maximal 120 km/h über die flache Autobahn, kann der Verbrauch sogar auf 5,2 Liter gedrückt werden. Sonst ist der A6 ausreichend, aber nicht übermäßig motorisiert. 204 PS, zu denen ein kleiner Elektromotor noch weitere 24 beisteuert, machen theoretisch 243 km/h auf der Autobahn möglich. Viel wichtiger ist aber das Spurtvermögen, und da kann der Motor mit seinen 400 Newtonmetern Drehmoment überzeugen, in knapp sieben Sekunden gelingt der Standardsprint von 0 auf 100 km/h. Das Siebengang-Dopplungsgetriebe harmoniert gut mit dem Antrieb und schaltet sanft. Wippen am Lenkrad gibt es überdies, gebraucht haben wir jene aber kaum. Laut ist der Dieselmotor nicht, aber stets im Hintergrund zu hören. Dank der Elektromaschine sind nach dem Start sogar ein paar Meter rein elektrisch möglich. Verkleinert den Wendekreis um einen Meter Das Fahrverhalten ist über alle Zweifel erhaben, dazu tragen auch der Allradantrieb samt Hinterachslenkung bei, die vor allem beim Rangieren ein großes Plus ist und den Wendekreis um einen Meter verkleinert. Außerdem gibt es immer wieder Momente im Leben, das mussten wir am eigenen Leib erfahren, da kommt ein Vierradantrieb gelegen. Innerhalb einer Stunde waren gut 20 Zentimeter Schnee gefallen, der winterbereifte A6 ließ sich davon überhaupt nicht beeindrucken, wuselte durch das Terrain, und als es im Taunus von 150 auf 350 Meter in die Höhe ging, fuhr er an gut zehn anderen Autos vorbei, die nicht weiterkamen. So mancher wird auf Sommerreifen unterwegs gewesen sein. Es soll nochmals erwähnt sein, dass der doppelte Antrieb beim Bremsen auf Schnee keinerlei Vorteil bringt. Das darf man nie vergessen. Aber auf trockener Straße arbeiten die Bremsen exzellent. Auch die Federung ist dank der optionalen Luftunterstützung besonders komfortabel. Das oben und unten abgeflachte Lenkrad liegt gut in der Hand, die Lenkung selbst ist präzise, wenn auch ein wenig synthetisch. Auf kurvigen Straßen fühlt sich dieser A6 deutlich leichter an als die im Oktober besprochene Elektroversion, die jedoch fast eine halbe Tonne mehr wiegt. Sitzen auf bequemen Sesseln Im Innenraum bietet die Limousine die gewohnt gute Verarbeitungsqualität. Aber war im Fond in den früheren Generationen nicht noch mehr Platz für die Beine? Fahrer und Beifahrer sitzen auf bequemen Sesseln und blicken auf eine mannigfaltige, digitale Armaturenlandschaft. Gegen Aufpreis bekommt der Kopilot sein eigenes Display, es fügt sich halbwegs harmonisch in die Gesamtgestaltung ein. Wer auf den Zusatzbildschirm verzichtet, bekommt eine tote Blende, was gewiss keine feine Lösung darstellt. Schon im e-tron hatten wir die dröge Gestaltung der eigentlichen Instrumente kritisiert, die ansonsten gut im Blickfeld liegen. Das Head-up-Display macht einen überaus guten Eindruck. Wer will, lässt sich vom adaptiven Tempomat unterstützen, der zusammen mit der Verkehrszeichenerkennung die richtige Geschwindigkeit auswählt. Oder auch nicht. Nicht selten liegt jene falsch, dann fährt auch der A6 langsamer als erlaubt. Verzichten würden wir auf das teure Glasdach. Ja, es ist heller im Auto, aber im Winter ist es eine Kältebrücke, und im Sommer wird es bei direkter Sonneneinstrahlung wärmer, trotz digitaler Jalousie. Tankzeit von fünf Minuten Das praktischere Auto ist gewiss der Avant, der jedoch rund 2500 Euro teurer ist. Wer elektrisch fahren will, bekommt ein schräges Heck mit Klappe, zahlt nur mit der kleinen 83-kWh-Batterie ungefähr das Gleiche, der große, fernfahrttauglichere 100-kWh-Akku kostet schon rund 13.000 Euro mehr, etwaige Subventionen nicht berücksichtigt. Also Deckel drauf und für den Diesel entscheiden. Knapp 800 Kilometer Reichweite und eine Tankzeit von fünf Minuten sind tipptopp. Und die Kraftstoffpreise sinken auch wieder. Ganz bestimmt. Unser Fazit STARK: Effizienz, Federungskomfort und das Fahrverhalten, Verarbeitungsqualität, das forsche Design. SCHWACH: Arg teuer geworden, ellenlange Aufpreisliste, Kofferraumvolumen etwas knapp. HECK-MECK: Wer elektrisch fahren will, bekommt ein schräges Heck oder den Avant. Die klassische Limousine gibt es nur als Verbrenner.
