FAZ 06.05.2026
15:27 Uhr

Auch mit Tankrabatt: Deutschland bleibt ein teures Tankland


Vor vier Jahren gab es eine kleine Wette, ob der Tankrabatt den Spritpreis unter zwei Euro drückt. Damals passierte das – heute nicht. Wo liegt Deutschland derzeit im europäischen Preisvergleich?

Auch mit Tankrabatt: Deutschland bleibt ein teures Tankland

Trotz Tankrabatt bleiben die Spritpreise in Deutschland im Schnitt oberhalb von zwei Euro je Liter. Das berichtet der Autoklub ADAC in seiner wöchentlichen Auswertung der Preise von mehr als 14.000 Tankstellen. Super verbilligte sich demnach auf Wochensicht um 7,8 Cent auf 2,025 Euro je Liter, Diesel um 10,5 Cent auf 2,095 Euro je Liter. Der Tankrabatt hätte, unter sonst gleichen Umständen, einschließlich Mehrwertsteuer eine Senkung um knapp 17 Cent erwarten lassen. Die Erfahrungen mit dem Tankrabatt von 2022 Vor vier Jahren, als es nach dem Beginn des Ukrainekriegs schon einmal eine „Tankrabatt“ genannte befristete Senkung der Steuer auf Kraftstoff gegeben hatte, gab es eine kleine Wette: Würde der umstrittene staatliche Eingriff es schaffen, die Spritpreise zumindest unter zwei Euro je Liter zu drücken? Der FDP-Politiker Johannes Vogel hatte damals in der Talkshow von Markus Lanz behauptet, die Bundesregierung werde das schaffen. Zumindest für eine Zeit funktionierte das damals tatsächlich. Der Preis für Diesel sank mit Einführung des Rabatts um 14 Cent auf 1,94 Euro je Liter, der für Super E10 um 30 Cent auf 1,88 Euro. Aber das hielt nicht allzu lange an. Diesmal vermeldete das Internetportal Clever Tanken seit der Einführung des Tankrabatts lediglich für Super E10 überhaupt nur an zwei Tagen, dem 1. und 2. Mai, Durchschnittspreise in ganz Deutschland unterhalb von zwei Euro. Seither liegen sie wieder konstant darüber. Der Preis für Diesel blieb die ganze Zeit oberhalb dieser Marke. In Europa auf Platz drei der teuren Tankländer Auch im internationalen Vergleich scheint es Deutschland durch diesen Staatseingriff auf Steuerzahlerkosten nicht geschafft zu haben, aus der Gruppe der teuersten Tankländer Europas zu verschwinden. Das Internetportal Benzinpreis.de, das unter anderem auch Meldungen von Autofahrern auswertet, sieht Deutschland in Europa für den Preis für Super E10 weiterhin auf Platz drei unter den teuersten Tankländern. Teurer tanke man nur in Dänemark und den Niederlanden. Hinsichtlich des Dieselpreises liege Deutschland hingegen weiter hinten, auf Platz elf. Die höchsten Dieselpreise in Europa haben demnach Dänemark und die Schweiz. Auch nach der Steuersenkung gibt es weiterhin offenbar Tanktourismus von Autofahrern, die über die Grenze fahren, um preiswerter zu tanken. Der ADAC hat die Bedingungen für verschiedene Länder zusammengestellt. Zum Teil waren die Steuern auf Kraftstoff in anderen Ländern immer schon niedriger als in Deutschland, zum Teil gab es dort noch stärkere staatliche Eingriffe. Der ADAC nennt unter den günstigeren Nachbarländern insbesondere Luxemburg, Österreich, Polen, Slowenien und die Tschechische Republik. In Österreich sei Sprit wegen der niedrigeren Steuer traditionell günstiger als in Deutschland, schreibt der ADAC. Seit Beginn des Irankrieges seien die Preise dort gleichfalls stark gestiegen, als Reaktion darauf gab es auch dort Steuererleichterungen. Insgesamt tanke man in Österreich derzeit meistens etwas günstiger als in Deutschland. Diverse Preisdeckel und Steuersenkungen Die polnische Regierung habe die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 23 auf acht Prozent gesenkt, berichtet der ADAC weiter. Zudem lege das Energieministerium täglich einen Höchstpreis fest. Beide Schritte seien bis zum 15. Mai befristet. Die polnische Regierung habe angekündigt, im Falle von Tanktourismus „Gegenmaßnahmen durchsetzen“ zu wollen. Auch in Slowenien sei Sprit vergleichsweise günstig, da der Preis gedeckelt werde, schreibt der Autoklub. Ein Liter Super E10 koste dort derzeit 1,64 Euro, an Autobahnen 1,80 Euro, Diesel 1,71 Euro, an Autobahnen 1,84 Euro. Die Tschechische Republik deckele nun ebenfalls die Spritpreise. Es gebe Höchstpreise, die täglich aktualisiert würden. Das wirke sich insbesondere in der Hauptstadt Prag und entlang der Autobahnen aus, wo Kraftstoff normalerweise teurer sei als im Durchschnitt. Frankreich habe keinen landesweiten und gesetzlich geregelten Spritpreisdeckel, berichtet der ADAC. Aber der Energiekonzern Total habe Anfang April einen Preisdeckel eingeführt und wolle diesen so lange beibehalten, bis die Krise im Nahen Osten beendet sei. Für Mai werde der Preis für Benzin an den französischen Total-Tankstellen auf 1,99 Euro und der für Diesel auf 2,25 Euro je Liter gedeckelt. Während des langen Wochenendes rund um den 8. Mai liege der Preisdeckel für Diesel tiefer, auf 2,09 Euro. Bei einer günstigen Entwicklung der Rohölpreise verpflichte sich das Unternehmen, jede Preissenkung unverzüglich weiterzugeben. Der Preisdeckel sorgt nach französischen Medienberichten für gut frequentierte Total-Tankstellen, weil die Preise bei der Konkurrenz zwischenzeitlich tendenziell höher waren. Normalerweise sei es umgekehrt.