Der kritische Delivery-Hero-Aktionär Aspex stockt seine Beteiligung an dem Berliner Essenslieferanten auf und verstärkt damit den Druck auf Gründer und Vorstandschef Niklas Östberg. Der niederländische Technologie-Investor Prosus habe für rund 335 Millionen Euro ein fünfprozentiges Aktienpaket an den Vermögensverwalter aus Hongkong verkauft, teilte der Prosus-Großaktionär Naspers am Montag mit. Damit wächst die Beteiligung von Aspex an Delivery Hero auf 15 Prozent. Aspex zahlte den Angaben zufolge für die zusätzlichen Anteile 22 Euro je Aktie. Dieser Preis liegt zehn Prozent über dem Delivery-Hero-Schlusskurs vom Freitag. Am Montag stiegen die im Nebenwerteindex M-Dax notierten Titel zeitweise um mehr als neun Prozent auf 21,82 Euro. Anleger reagierten erleichtert, dass zumindest die erste größere Platzierung abgehakt werden könne, kommentierte Analyst Giles Thorne von der Investmentbank Jefferies. Insgesamt werfe diese Transaktion jedoch mehr Fragen auf, als sie Antworten liefere. Welchen Einfluss habe die Anteilsaufstockung auf die vom Unternehmen angekündigte Überprüfung der strategischen Optionen? Werde Prosus versuchen, weitere Zwangsverkäufe von Delivery-Hero-Anteilen abzuwenden? Prosus muss wegen der Übernahme der „Lieferando“-Muttergesellschaft Just Eat Takeaway seine Beteiligung an Delivery Hero auf Geheiß der EU-Wettbewerbshüter bis zum Spätsommer auf weniger als zehn Prozent abbauen. In einem ersten Schritt hatte Prosus ein Aktienpaket von 4,5 Prozent für 270 Millionen Euro an den amerikanischen Fahrdienst Uber verkauft, der mit „Uber Eats“ ebenfalls Essenslieferungen anbietet. Mit dem Paketverkauf an Aspex kommt Prosus noch auf 16,8 Prozent der Anteile. Vermögensverwalter könnte Misstrauensantrag stellen Aspex bekommt mit der Aufstockung der Beteiligung mehr Gewicht auf der Hauptversammlung von Delivery Hero am 23. Juni. Der Vermögensverwalter könnte einen Misstrauensantrag gegen Östberg stellen. Der Investor Prosus darf dort nicht selbst abstimmen, seine Anteile werden von einem Treuhänder verwaltet. Aspex fordert wegen der im Branchenvergleich geringeren Ertragskraft von Delivery Hero den Rückzug aus ganzen Regionen und die Ablösung Östbergs. Den Verkauf der Tochtergesellschaft Foodpanda Taiwan an den Rivalen Grab betrachtet der Großaktionär als nicht ausreichend. Kritisch beurteilt er auch die Entwicklung der Delivery-Hero-Gesellschaften in Spanien und Italien. Gegen diese laufen mehrere Verfahren wegen mutmaßlicher Ausbeutung der Lieferfahrer. Aspex-Gründer Hermes Li sagte am Montag, der Aktionär sei überzeugt, dass das Unternehmen mehr wert sei als heute. „Wir werden weiterhin konstruktiv mit dem Aufsichtsrat und dem Management zusammenarbeiten, um den Wert für alle Aktionäre zu verbessern.“ Als Reaktion auf den wachsenden Druck von Aspex hatte Delivery Hero im Dezember die Prüfung strategischer Optionen zur Steigerung des Unternehmenswerts angekündigt. Bei der Vorlage der Geschäftszahlen Ende April sagte Firmenchef Östberg, dass die Analyse andauere. Im Vergleich zu ihrem Rekordhoch von Anfang 2021 haben die Aktien von Delivery Hero etwa 85 Prozent ihres Wertes eingebüßt.
