Das einstige Mövenpick-Hotel an der Messe liegt brach. Sperrmüll stapelt sich an der Seite des roten Gebäudes neben dem Einkaufzentrum Skyline Plaza. Mit der Messe hat das direkt nichts zu tun. Doch es wirkt wie ein Symbol für die Leblosigkeit auf dem Gelände, auf dem in diesen Tagen eigentlich das pralle Leben toben sollte und moderne Anlagen Partysound auf dem ganzen Areal und weit darüber hinaus verbreiten sollten. So wie in den vergangenen 30 Jahren zwischen 1995 und 2025. Doch offenbar hat der schöne Schein einer erfolgreichen Messe mit mehr als 500 Ausstellern aus 32 Nationen im Jubiläumsjahr getrogen. Wie es jetzt auf Anfrage hieß, hat sich die Zahl der Aussteller in den vergangenen Jahren zwar nicht grundlegend verändert, das Geschäft wurde aber immer schwieriger. Viele Aussteller hätten ihre Standflächen reduziert und auch an anderen Services gespart, darum sei die Messe als eigenständige Veranstaltung nicht mehr haltbar gewesen. „Booster für die Industrie“ Man hatte den Mund also offenbar zu voll genommen, als man 2022 ankündigte: „Wir machen Frankfurt zum Hotspot für die Event-Industrie“. Ein „Booster für die ganze Industrie“ hieß es seinerzeit, solle die Prolight + Sound werden, die einst Teil der Musikmesse war und nach deren Einstellung eigenständig zeigen sollte: „Frankfurt ist immer noch der Ort, wo die Musik spielt.“ Zunächst schien es tatsächlich so. Und die Messe lockte viel Leben in die Stadt mit zahlreichen Partys, Konzerten und Preisverleihungen in Sälen und Clubs. Doch die Pandemie hat offenbar tiefere Spuren bei den Herstellern für die Technik rund ums Showgeschäft hinterlassen als zunächst gedacht. Und auch aus Ideen, die Prolight + Sound in die Messe Light + Building zu integrieren, wurde nichts. Das Thema Sound, sagte ein Messesprecher auf Anfrage, hätte nicht in das Konzept gepasst. Und aus dem Lichtsegment seien einige Unternehmen traditionell schon bei der Light + Building dabei, sie hätten dort nicht auf ein Sonderareal für die Eventbranche gewollt. Jubel in Barcelona Bei der Messe sieht man den Hauptgrund für den ausbleibenden Erfolg der Prolight + Sound darin, dass „die gesamte Branche sich aktuell in einem dynamischen Wandel befindet“. Zur Wahrheit gehört offenbar aber auch, dass es in Europa starke Konkurrenz durch die ISE (Integrated Systems Europe) in Barcelona gibt. Dort jubelte man in diesem Frühjahr über einen Rekord mit achtprozentiger Steigerung auf mehr als 1700 Aussteller und 130.000 registrierte Besucher an vier Tagen. Inwiefern das auf den Wegfall der Frankfurter Messe zurückzuführen ist, lässt sich nicht klären. Eine Sprecherin führte als Grund für den Erfolg in Barcelona an, dort komme auch der spanische König zur Eröffnung. Jedenfalls sieht die Messe Frankfurt angesichts der Bedeutung der Schau in Spanien und der Rückmeldungen aus der Eventbranche keinen Bedarf mehr für die Messe am Heimatstandort. Dafür aber in Asien. Dort gibt es bereits eine von der Messe Frankfurt organisierte Prolight + Sound in China, und im Herbst wird erstmals eine in Bangkok stattfinden. Die neue Veranstaltung werde durch die globalen Ressourcen und Branchenexpertise der Messe Frankfurt unterstützt, hieß es in der Ankündigung. „Den Markt haben andere Städte übernommen“ Messechef Wolfgang Marzin, der zuletzt immer mehr Geschäft mit Messen im Ausland machte, nannte es eine „natürliche Erweiterung der Marke nach Südostasien“. Die wachsende Nachfrage nach Unterhaltung, Live-Events und Tourismus führe dort zu erheblichen Investitionen in Audio, Beleuchtung, Bühnengestaltung und andere Showelemente. Auf die Kontakte am Heimatstandort wird die Messe ohne hiesige Veranstaltung aber wohl nicht mehr so leicht zurückgreifen können. Dabei scheint in der hiesigen Event-Branche grundsätzlich durchaus noch Interesse daran zu bestehen, sich zu präsentieren. Das zeigen nicht nur die Zahlen aus Barcelona, sondern auch Stimmen von der Event-Convention LEaT, die im Herbst in Hamburg und kürzlich in München stattgefunden hat. Auch wenn die Veranstaltung mit 100 vertretenen Marken und rund 2200 Teilnehmern nicht mit einer großen Messe vergleichbar ist, scheint sie für die Branche von Bedeutung. So sagt Nico Ubenauf, Chef des international agierenden Eventgestalters Satis&Fy: „Die Absage der Prolight + Sound hatte für unser Unternehmen keine Konsequenzen, da andere Veranstalter das mögliche Vakuum gar nicht haben entstehen lassen.“ International sei die ISE in Barcelona zum unangefochtenen Branchentreffpunkt geworden, und national habe die LEaTcon den Platz der Prolight + Sound eingenommen. „Insofern schade, dass sich die Messe Frankfurt nicht konsequenter um die Pflege dieser Community gekümmert hat, denn wie man sieht, gibt es dafür einen Markt, den jetzt andere Städte gerne übernommen haben.“ Eine schlechte Nachricht ist der Wegfall der Messe, der in eine Zeit fällt, in der auch die Zukunft der Fahrradmesse Eurobike noch ungewiss ist, nicht nur für die Messegesellschaft, zumal es derzeit keinen Ersatz gibt, sondern auch für die Stadt. „Aus unserer Sicht ist die Absage bedauernswert, da sie zu negativen wirtschaftlichen Auswirkungen insbesondere auf das Gastgewerbe und die Messe führt“, sagte Thomas Feda, Chef der städtischen Tourismus- und Congress-Gesellschaft, auf F.A.Z.-Anfrage. Er hatte erst kürzlich eine Studie vorgestellt, der zufolge der Messe-Tourismus für viele Wirtschaftszweige in der Stadt wichtig ist. „Die Prolight + Sound gehörte in Frankfurt zwar nicht zu den großen Messen, war aber für die Veranstaltungsbranche eine relevante Plattform“, so Feda. Den Hotels in der Umgebung habe sie die Betten gefüllt.
