FAZ 02.06.2026
12:01 Uhr

Ab Juli: Kölner Dom verlangt zwölf Euro Eintritt


So sollen die gestiegenen Kosten für die Instandhaltung der Kirche gedeckt werden. Das zuständige Domkapitel hatte es eigentlich lange abgelehnt, eine „Besichtigungsgebühr“ zu verlangen. Doch dann änderte es seine Meinung.

Ab Juli: Kölner Dom verlangt zwölf Euro Eintritt

Vom 1. Juli an müssen Touristen für den Zutritt zum Kölner Dom ein Ticket lösen. Dass diese „Besichtigungsgebühr“ fällig werden soll, um die Instandhaltung der gotischen Kathedrale auch für künftige Generationen zu sichern, stand seit Anfang März fest. Am Dienstag hat nun das für die Kathedrale zuständige Domkapitel die genaue Tarifgestaltung vorgestellt. Demnach sind für ein reguläres Ticket zwölf Euro fällig. Ein reduzierter Preis von sechs Euro gilt für Schüler vom 14. Lebensjahr an sowie für Auszubildende, Studenten und Inhaber eines Sozialpasses. Freien Eintritt haben Kinder bis einschließlich 13 Jahre sowie Schwerbehinderte. Damit wird erstmals seit Fertigstellung der Hohen Domkirche St. Petrus im Jahr 1880 für deren Besichtigung Eintritt erhoben. Für Besucher der jährlich bis zu 2000 Gottesdienste sowie Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins bleibt der Zugang dagegen kostenfrei. Ebenso gratis bleibt der Zutritt zu den Opferlichtern und zum stillen Gebet in bestimmten Bereichen. Bisher schon Eintritt verlangt wurde für die Schatzkammer und den Aufstieg zur Aussichtsplattform. Warum das Domkapitel seine Meinung änderte Touristen machen rund 99 Prozent der Besucher aus. Der zum UNESCO-Welterbe zählende Kölner Dom gehört zu den beliebtesten Attraktionen in Deutschland und zieht einen nie abebbenden Strom von Besuchern an; rund sechs Millionen sind es jährlich. Das Domkapitel hatte es lange abgelehnt, Eintritt zu verlangen. Anfang des Jahres revidierte das Gremium seine Meinung nach eingehender Analyse und intensiven internen Diskussionen. „Die Finanzierung dieses lebendigen Glaubens- und Kulturorts kostet Geld – und durch gestiegene Personal- und Sachkosten hat sich der Unterhalt des Doms in den vergangenen Jahren stark erhöht“, hieß es damals. Es gehe darum, die Strahlkraft der Kathedrale auch für künftige Generationen zu erhalten und ihren laufenden Betrieb dauerhaft zu sichern. In einer Klausurtagung hatte sich das Domkapitel mit der ökonomischen Lage der Kathedrale befasst. Die Bilanz fiel ernüchternd aus. Allein für den Erhalt des Bauwerks sind für 2026 etwa 16 Millionen Euro eingeplant. Domkapitel: Reserven auf absehbare Zeit aufgebraucht Und weil der Dom mehr ausgebe, als er einnehme, sei schon seit 2019 Jahr für Jahr ein Minus entstanden, das man bisher dank Rücklagen habe auffangen können. Nun jedoch sei man „in die Situation gekommen, dass die Reserven des Kölner Doms auf absehbare Zeit aufgebraucht sind“. Mit dem Eintritt gehe man einen Schritt, „der an vielen anderen Kirchen und Kathedralen ähnlicher Prominenz längst üblich ist“. Tatsächlich kostet etwa ein Erwachsenen-Ticket für die St. Paul’s Cathedral in London umgerechnet rund 31 Euro, für die Westminster Abbey gar 35 Euro. Und wer ein Standardticket für die Sagrada Família in Barcelona erwerben will, muss dafür 26 Euro bezahlen. Allerdings ist der Eintritt in andere berühmte Gotteshäuser wie etwa Notre-Dame in Paris oder den Petersdom in Rom nach wie vor frei.