Ganz am Ende, als es keine Gelegenheit mehr gab, sportlich etwas auszurichten, ließ sich Alexandra Popp niedergeschlagen auf den Rasen sinken und hielt sich die Hände vors Gesicht. Die Hauptrollen, das war ihr bewusst, hatten an diesem Nachmittag andere eingenommen. Popps Fußballkarriere ist noch nicht vorbei, aber das prägendste Kapitel ging durch die 0:4-Niederlage im Pokalfinale gegen den FC Bayern München ohne den Gewinn einer weiteren Trophäe zu Ende. Am Sonntag steht in Wolfsburg die offizielle Verabschiedung beim Liga-Schlussakt gegen den 1. FC Nürnberg an. Dann folgt der Wechsel zu Borussia Dortmund, das mit seinem Frauenteam gerne einmal so erfolgreich werden möchte, wie es der VfL über Jahre war. Doch national ist die Wachablösung längst vollzogen. Das wurde durch die Partie im mit 46.064 Zuschauern ausverkauften Kölner Stadion einmal mehr eindrucksvoll deutlich: Der FC Bayern, der den VW-Werksklub in der jüngeren Vergangenheit durch gezielte Investitionen und kluge Personalentscheidungen im Eiltempo überholte, bekräftigte mit dem zweiten Double seine Ausnahmestellung. Am Nachmittag, als die Offiziellen des Deutschen Fußball-Bundes die Aufstellung veröffentlicht hatten, steckten sie auch beim FC Bayern sofort die Köpfe zusammen. Nicht dass sie nach einer Saison, in der sie hierzulande in allen Wettbewerben ungeschlagen geblieben waren, jemanden fürchteten. Doch sie wussten eben auch, dass der Gegner ein anderer sein würde, mehr Schlagkraft entfalten könnte, wenn Popp dabei wäre. Popp kehrt rechtzeitig zurück Seit Mitte März konnte die 34-Jährige wegen einer Wadenverletzung kein Pflichtspiel mehr bestreiten, und ihr Plan in der Reha-Phase zielte von Anfang an darauf ab, am Himmelfahrtstag unbedingt mit dabei sein zu können. Ihr Ehrgeiz zahlte sich aus. Popp ging symbolisch voran; sie führte den VfL mit der Kapitänsbinde am Arm aufs Feld. Insgesamt wurde die Darbietung der beiden deutschen Top-Klubs höchsten Ansprüchen kaum gerecht. Die Münchnerinnen waren bemüht, ihre individuellen Vorteile zum Tragen zu bringen, rannten sich aber oft in der dicht gestaffelten Verteidigung fest. Der VfL zog sich kompakt zurück, machte die Räume um den Strafraum dicht und nahm sich zumeist zu zweit den Angreiferinnen auf den Flügeln an, wenn sie wie Klara Bühl links oder Giulia Gwinn rechts vordrangen. Die Wolfsburger Offensivideen waren darauf ausgelegt, Popp in Szene zu setzen. Doch in Magdalena Eriksson und Glodis Perla Viggosdottir standen zwei resolute Aufpasserinnen bereit, die sich der Mittelstürmerin annahmen, die den ersten Torschuss abgab (7. Minute). Nach einer Kombination, initiiert von Bühl und Franziska Kett, stand Pernille Harder frei vor VfL-Torhüterin Stina Johannes, setzte den Ball aber mit dem Kopf knapp neben den Pfosten (20.). Auf der anderen Seite platzierte Lena Lattwein ihren Fernschuss zu zentral (35.). Dass die Bayern mit einer Führung in die Halbzeitpause gingen, hatte maßgeblich mit der Wolfsburgerin Lineth Beerensteyn zu tun. Zunächst stand die Niederländerin knapp im Abseits, sodass das strafstoßwürdige Foul, mit dem Gwinn sie anschließend von den Beinen geholt hatte, nicht ins Gewicht fiel (39.). Und kurz darauf war es Beerensteyn, deren Absicht, die Bayern am Abschluss zu hindern, einen Elfmeter zur Folge hatte. Schiedsrichterin Franziska Wildfeuer wertete ihr Einsteigen gegen Momoko Tanikawa – auf Intervention der Video-Assistentin – als irregulär. Die Engländerin Georgia Stanway, die im Sommer in ihre Heimat zurückkehren und in den kommenden Tagen den neuen Klub kommunizieren wird, ließ sich daraufhin nicht zweimal bitten und nutzte die Chance zum 1:0 (45.+2). Popps Tränen Auch nach dem Seitenwechsel mangelte es der Begegnung an Abwechslungsreichtum. Sie lebte noch kurz von der Spannung, die aus dem knappen Zwischenstand resultierte. Den Attacken der Wolfsburgerinnen, mit ihrem Fixpunkt Popp, fehlte es jedoch an Überraschungsmomenten, um die Bayern aus dem Konzept zu bringen. Und die Münchnerinnen blieben in ihrem Erfolgsstreben wieder so cool wie in den vergangenen Monaten schon zuhauf. Eine Flanke von Eriksson nutzte Harder zum 2:0 (59.), Tanikawa erhöhte auf 3:0 (78.). Gegen die bayerische Abgeklärtheit fand der VfL nun gar kein Mittel mehr, Arianna Caruso traf per direkt verwandeltem Freistoß zum 4:0 (84.). Sie fühle eine Mischung aus „Freude und Erleichterung“, sagte Bayerns Spielerin Linda Dallmann im ZDF. „In der zweiten Halbzeit haben wir sehr dominant gespielt und es uns über die gesamte Saison hinweg gesehen auch verdient.“ Popp weinte nach dem Abpfiff hemmungslos, auch die Umarmung von Stanway, die als erste der Münchner Seriensiegerinnen auch an die Verlierer dachte, war kein Trost. Es sei „extrem schwer“, sagte sie später bei Sky. Ihr vermutlich letztes Pokalfinale habe sie sich „natürlich irgendwie anders vorgestellt.“
