FAZ 01.10.2026
07:36 Uhr

120 Milliarden Dollar: Südkorea baut Trump acht Atomkraftwerke


Im Rahmen des Zollabkommens soll Seoul 350 Milliarden Dollar in den USA investieren. Ein Großteil davon soll nun in Energieprojekte fließen – und auch Vorteile für Südkorea abwerfen.

120 Milliarden Dollar: Südkorea baut Trump acht Atomkraftwerke

Es ist eine Zusage ganz nach Donald Trumps Geschmack: „Wir freuen uns sehr, eine der größten Investitionen in Energieinfrastruktur in der amerikanischen Geschichte bekannt zu geben“, sagte der amerikanische Präsident am Mittwochabend vor Reportern im Weißen Haus. Mit Milliardenzusagen aus Südkorea sollten der Bau einer Stromerzeugungsanlage in Texas, acht neue groß angelegte Kernkraftwerke und endlich auch der Bau einer Pipeline für Flüssiggas (LNG) aus Alaska finanziert werden. Das „gewaltige Investitionspaket“ sei ein großer Schritt zur Sicherung von Amerikas Energieversorgung, sagte Trump, und es mache zudem die Partnerschaft mit Südkorea und der gesamten Pazifikregion stärker denn je. Nach Angaben der beiden beteiligten Länder wird Südkorea 120 Milliarden Dollar investieren, um acht Kernkraftwerke in den Vereinigten Staaten zu bauen. Dafür sollen die staatlichen Konzerne Korea Electric Power Corp. und Korea Hydro & Nuclear Power mit dem amerikanischen Kraftwerkshersteller Westinghouse zusammenarbeiten und nacheinander zwei in Korea entworfene Reaktoren und sechs Einheiten von Westinghouse installieren. Die Orte und ein Zeitplan für die neuen Atomanlagen stehen allerdings noch nicht fest. In Texas wird Südkorea gemeinsam mit amerikanischen Partnern ein Gaskraftwerk mit einer Leistung von 6,5 Gigawatt im Wert von 22,3 Milliarden Dollar aufbauen. Das Kraftwerk soll nahe gelegene KI-Rechenzentren direkt mit Strom versorgt. Es soll ab 2029 nach und nach seinen Betrieb hochfahren. Lee hatte zunächst vor einer Finanzkrise gewarnt Die angekündigten Investitionen sind Teil des Zollabkommens, das die Trump-Regierung im vergangenen Jahr mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung ausgehandelt hatte. Darin wurde vereinbart, dass Südkorea insgesamt 350 Milliarden Dollar investieren werde. Im Gegenzug senkte Washington die Zölle auf südkoreanische Importwaren von zwischenzeitlich 25 auf 15 Prozent. Lee hatte damals zunächst davor gewarnt, dass Kapitalabflüsse in dieser Größenordnung sein Land in eine Finanzkrise stürzen könnten. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt von Südkorea umfasst nur 1900 Milliarden Dollar. Zu der nun getroffenen Vereinbarung betonte die koreanische Regierung, dass das Geld ihrer Steuerzahler nicht einfach in die Vereinigten Staaten fließen werde. Die USA hätten zugestimmt, dass Südkorea 50 Prozent der Gewinne aus den Projekten erhalte, bis das Land sämtliche Investitionen plus Verzinsung zurückerlangt habe. Danach würden die USA 90 Prozent der Gewinne erhalten. Zudem seien die jährlichen Ausgaben im Zuge der Rahmenvereinbarung auf 20 Milliarden Dollar gedeckelt. Handels- und Industrieminister Kim Jung-kwan hob auf einer Pressekonferenz in Seoul weitere Vorteile für die beteiligten Unternehmen hervor. „Die Ankündigung eröffnet einen neuen Horizont der Zusammenarbeit, in dem die beiden Nationen ihre Stärken in strategischen Sektoren — wie KI, Kernenergie und LNG — bündeln, die direkt mit Zukunftsindustrien und wirtschaftlicher Sicherheit verbunden sind“, sagte Kim. In koreanischen Medien wurde außerdem hervorgehoben, dass im Zuge der Abmachung für die Atomkraftwerke erstmals ein südkoreanisches Reaktor-Modell in den Vereinigten Staaten installiert werde. Bislang hatte eine Vereinbarung mit Westinghouse dessen Verbreitung in dem Land unterbunden. Südkorea könnte sich an Westinghouse beteiligen Durch die Installation der Westinghouse-Reaktoren werde die Einbindung der Koreaner in die Lieferketten des Unternehmens ausgebaut. In den noch laufenden Verhandlungen wird zudem eine Beteiligung Koreas an Westinghouse von bis zu zehn Prozent diskutiert. Auch das Gas-Projekt in Texas bringe Vorteile, da es südkoreanischen Unternehmen erstmals einen größeren Zugang zum amerikanischen Markt für die Verstromung von Gas biete. Zu dem LNG-Projekt in Alaska klingt Seoul allerdings noch etwas zurückhaltender als Trump. Der amerikanische Präsident sagte, Südkorea werde 54 Milliarden Dollar in das Projekt investieren. Von der südkoreanischen Regierung hieß es zunächst nur, dass beide Länder mit der Prüfung des Projekts beginnen wollten. Das Vorhaben umfasst den Bau einer großen Pipeline, um Erdgas vom Norden in den Süden Alaskas zu transportieren, sowie ein Terminal zur Verflüssigung des Gases und dem Export des LNG ins Ausland. Das Projekt wird schon seit Jahren geplant; auch Japan hat im Rahmen seines Zollabkommens Milliardensummen für das Projekt in Aussicht gestellt.