In einer Zeit, in der höllische Pläne mit himmlischen Aufträgen begründet werden und sich manch irdischer Politprotagonist als göttlicher Heilsbringer inszeniert, trägt die Ausrufung einer Götterrepublik eine Doppelbotschaft. Unter dem Motto einer „Republic of Gods“ servieren die Wiener Festwochen im Jubiläumsjahr die großen Themen: Wirkkraft der Mythen, Sehnsucht nach neuen Göttern, Erneuerung der Gesellschaft. In dieser Logik der Superlative ist es konsequent, die Festivaleröffnung auf einem der historisch hochmütigeren Plätze Europas, dem Heldenplatz, zu begehen. Zwar stammte das Eröffnungsprogramm aus einem Bauchladen postpolitischer Beliebigkeit, doch gelang es, aus einem politisch überkommenen Ort einen zu machen, an dem Tausende Menschen allerlei Herkünfte friedvoll feierten.
