So ändern sich die Zeiten. Vor vierzig Jahren exorzierte die Band Einstürzende Neubauten auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände die Dämonen des Dritten Reichs mit einem brachialen Konzert. Zur Fußball-WM vor zwanzig Jahren erzeugte die als „Stuhlturm“ diffamierte Arbeit „Auf Wiedersehen“ des fußballbegeisterten Bildhauers Olaf Metzel einen ungeheuren Proteststurm in der einstigen „Stadt der Reichsparteitage“, der ihn als Kunstzersetzer auf die Titelseite der „Bild“-Zeitung katapultierte. Hatte es der Künstler doch gewagt, den gotischen „Schönen Brunnen“ und damit eine der liebsten Kulissen der Nationalsozialisten mit den herausgerissenen Stühlen des hiesigen Stadions Christo-gleich zu verhüllen, um dadurch erst recht die dunklen zwölf Jahre auszuleuchten.
