Dlf 04.09.2026
04:50 Uhr

Sabotage - Polizei hält Bekennerschreiben zu Anschlägen auf Umspannwerke für authentisch - Verfasser bezeichnet Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen als Verbrechen


Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hält ein Bekennerschreiben im Zusammenhang mit der Sabotage an mehreren Umspannwerken für authentisch. Nach Informationen des Deutschlandfunks gilt ein 49-jähriger Mann aus Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet als tatverdächtig. Nach dem Mann wird bundesweit gefahndet.

Sabotage - Polizei hält Bekennerschreiben zu Anschlägen auf Umspannwerke für authentisch - Verfasser bezeichnet Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen als Verbrechen
Gestern war bei der Zeitung "taz" das Bekennerschreiben eingegangen, das namentlich unterschrieben ist. Es liegt auch dem Deutschlandfunk vor. Das Schreiben soll Wissen über die Sabotageakte enthalten, das nur der Täter haben kann. Darin wird Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen als Verbrechen bezeichnet, das unsägliches Leid nach sich ziehe. Er wolle nicht dem Land schaden, sondern lediglich der fossilen Brennstoffindustrie, schreibt der Verfasser weiter. Der Unterzeichner bezeichnet sich zudem als Einzeltäter.

Täglich neue Sabotagefälle

Am Dienstag war mit Hilfe von Abschussvorrichtungen gezielt die Stromversorgung in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gestört worden. Gestern Abend fand man ähnliche Gegenstände auf einem Feld in der Nähe der Stadt Dormagen in Nordrhein-Westfalen. Im niedersächsischen Landkreis Oldenburg läuft underdessen ein Polizeieinsatz an einem Umspannwerk. Wie die Deutsche Presse-Agentur schreibt, untersuchen die Beamten seit vergangener Nacht das Gelände in Ganderkesee. Wonach genau gesucht wurde, blieb zunächst unklar. Die Polizei sprach lediglich von "verdächtigen Umständen". Zudem prüft die Polizei ein weiteres Umspannwerk in Weisweiler bei Aachen. Einsatzkräfte gingen dort Hinweisen nach, sagte ein Sprecher der Polizei.

Brandenburg will neues Sicherheitszentrum einrichten

Als Reaktion auf die Sabotage nahe dem Kraftwerk Jänschwalde kündigte das brandenburgische Innenministerium ein neues Sicherheitszentrum im Land zum Schutz von kritischer Infrastruktur an. Die Angriffe auf das Stromnetz in Jänschwalde sowie in Bergheim zeigten, wie bedroht die kritische Infrastruktur in Deutschland sei und dass sie dringend geschützt werden müsse. "Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind", sagte Brandenburgs Innenminister Redmann (CDU). 
Unter kritischer Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann. Dazu gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien.

Weiterführende Informationen

Überblick über größere Sabotagefälle seit 2022
Debatte über das Kritis-Dachgesetz – Schutz der Infrastruktur
Diese Nachricht wurde am 04.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.