Dlf 16.09.2026
13:31 Uhr

Den Haag - Früherer Präsident des Kosovo, Thaçi, wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt


Nach einem mehrjährigen Prozess ist der Ex-Präsident des Kosovos, Thaçi, wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Entscheidung des Kosovo-Sondertribunals gilt als politisch hochbrisant.

Den Haag - Früherer Präsident des Kosovo, Thaçi, wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt
Das Gericht befand den 58-Jährigen unter anderem der "rechtswidrigen Festnahme, Folter, des Mordes und grausamer Behandlung" für schuldig. Thaçi habe sich aktiv an den Verbrechen beteiligt und diese unterstützt. Dem Urteil zufolge ist er für insgesamt 96 Morde an politischen Gegnern und mutmaßlichen Kollaborateuren verantwortlich.
Thaçi bestreitet die Vorwürfe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Geringeres Strafmaß als von der Anklage beantragt

Die verhängte Strafe liegt unter der Forderung der Anklage, die für Thaçi sowie drei weitere frühere Kommandeure der Kosovo-Befreiungsarmee UCK 45 Jahre Haft gefordert hatte.
Thaçi war zunächst Kommandeur und später Oberbefehlshaber der albanisch-kosovarischen Kosovo-Befreiungsarmee UCK. Diese kämpfte im Kosovo-Krieg in den Jahren 1998 und 1999 für eine Unabhängigkeit des Kosovo von Jugoslawien beziehungsweise Serbien.
2008 wurde er Ministerpräsident, später Präsident des Kosovo. 2020 trat er von seinem Amt zurück, um sich dem Gerichtsverfahren in Den Haag zu stellen.

Proteste im Kosovo

In der kosovarischen Hauptstadt Pristina wurde die Entscheidung auf Großbildschirmen verfolgt. Menschen buhten bei der Urteilsverkündung und riefen Parolen für Thaçi. In dem Land werden viele UCK-Kämpfer als Helden verehrt.
Seit dem Wochenende gab es in Pristina Demonstrationen und Solidaritätsveranstaltungen für Thaçi und die weiteren Beschuldigten. Bereits am Nationalfeiertag im Februar hatten zehntausende Menschen für ihre Freilassung demonstriert.

Rolle des Westens

Die Gerichtsentscheidung wirft auch ein Schlaglicht auf die Rolle des Westens im Kosovo-Krieg und die Bombardierung Serbiens durch die NATO 1999. Bei den wochenlangen Luftschlägen gegen serbische Einheiten kämpften die NATO-Länder und die UCK faktisch auf einer Seite.
Das Kosovo-Sondertribunal wurde 2015 als Reaktion auf internationalen Druck eingerichtet. Es gehört offiziell zum Justizsystem des Kosovos, ist aber mit internationalen Richtern und Anklägern besetzt. Aus Sicherheitsgründen wurde es nach Den Haag verlegt.

Mehr Informationen

Vom Präsidenten Kosovos auf die Anklagebank – Urteil gegen Hashim Thaçi
Diese Nachricht wurde am 16.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.